wurscht

Die Dylanesen, die Bobologen, die unzerrüttbaren Fans, die aus jeder Setliste eines Konzerts eine Marienerscheinung machen, die jagen einem stinknormalen Konzertbesucher wie mir ja mächtig Angst ein. Bob Dylan dekonstruiert sein Lebenswerk, bringt zersplitterte, höhnische Perversionen der Greatest Hits zu Gehör: Das muss gut finden, wer kein Mainstream-Banause sein will. Das breiige Polka-Gerumpel auf der Bühne: Ein genialischer Mix aus Vaudeville und Honkytonk. Die monoton bellende Kläfferstimme: der noch immer glühende Hass eines virilen Altmeisters. Das beharrliche Nicht-Kommunizieren mit den Zuschauern in der beileibe nicht ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle gestern abend: Pure Konzentration auf die Musik.

Also lausche ich angestrengt ins arhythmische Gepolter, meine hier und da eine Textzeile zu erkennen, und mime Begeisterung. Unglaublich subtil, wie der Mann sich zweimal die falsche Mundharmonika greift und in der falschen Tonlage loströtet. Zweifellos eine erbarmungslose Abrechnung mit der allmächtigen Musikinstrumenteindustrie. Oder eine versteckte Hommage an Schönberg, Varese und die Atonalen. Oder ist Bob Dylan schlichtweg wurscht, was er da macht?

The answer, my friend,….

(Senf No. 156, 03.05.2007)

Ein Kommentar zu “wurscht

  1. Das ist ein wunderbarer Text!!!

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