am schwarzen see

Hinterher sieht es so aus, als wäre er schon immer da gewesen, der schwarze See für die ermordeten Sinti und Roma.

Dabei ist die Geschichte des Denkmals am Reichstag die eines jahrzehntelangen Scheiterns. Zwanzig lange Jahre hat es vom Beschluss des Bundestages bis hierher gedauert, und die Schuld daran tragen mitnichten die angeblich so zerstrittenen Betroffenenvertreter, sondern eine Politik, die keinen sonderlichen Ehrgeiz darin hatte, zu schlichten und zu versöhnen und möglichst umgehend zu einem würdigen Ergebnis zu kommen. Kleinliche Bauauflagen, desinteressierte Politik, eine über Jahrzehnte schändlich verwilderte Baustelle: DAS war zwanzig Jahre lang das andere, das aktuelle, das wirkliche Denkmal; ein Schauerstück darüber, wie eben hier und heute noch mit den Belangen der Sinti und Roma umgesprungen wird.

Nun scheint das alles vergessen. In den schwarzen See fällt ein kalter Herbstregen, Romeo Franz’ klagender Geigenton zittert über das Wasser, die paar Touristen frösteln, sind ergriffen. Kaum zweihundert Meter entfernt wird Geschichte nicht betrauert, sondern gemacht: da hungern fünfzehn Flüchtlinge am Brandenburger Tor gegen Abschiebepolitik und die Zustände in den Sammelunterkünften. Ein paar Roma sind auch dabei; ihnen werden von Polizeikräften die Schlafsäcke und Isomatten unterm Hintern weggezogen, „damit das hier kein Lager wird“. Ach richtig, Lager hatten wir schon genug.