schlauer als die nazis

Axel Rudolph war ein Haudegen, ein Lebenskünstler – und viel zu vorlaut. Seine unverblümte Kritik am Nationalsozialismus kostete ihn 1944 schließlich das Leben, doch schon vorher, 1939, gab es Probleme: Rudolph flog aus der Reichsschrifttumskammer. Der Rauswurf kam einem Berufsverbot gleich, doch der ehemalige Bergmann, der zwischen 1935 und 44 fast siebzig Abenteuerromane veröffentlichte, war schlauer als die Nazis: Er bat seinen Freund, den Afrikaforscher Hermann Freyberg, die Bücher fortan unter SEINEM Namen zu veröffentlichen. Freyberg, alles andere als ein spritziger Schreiber, avancierte in kürzester Zeit zum angeblichen Verfasser etlicher schillernder Romane im typischen Axel-Rudolph-Stil.

Gänzlich verschollen ist dieser hier, „Ein Toter bricht ein“, erschienen kurz vor Rudolphs Verhaftung Silvester 1943. „Das Forum – die deutsche Kriminalreihe“ war ein verkrampfter Versuch Joseph Goebbels, den deutschen Kriminalroman für die von den Nazis gewollte Darstellung einer reibungslos arbeitenden Polizei zu instrumentalisieren. Die Reihe floppte oder wurde wegen Papiermangels eingestellt – jedenfalls erschienen nur fünf Ausgaben, die heute selbst antiquarisch kaum zu kriegen sind. Das Husarenstück Rudolphs, Goebbels’ Propagandaverlegern trotz Schreibverbots eine Story unterzujubeln, ist nur noch eine kuriose Fußnote der Unterhaltungsroman-Geschichte. Und selbst während seiner Haftzeit sackte der umtriebige Autor aus Semlin unter dem Namen seines Freundes noch einen Krimipreis aus dem Propagandaministerium ein, 10.000 Reichsmark für „… erscheint hinreichend verdächtig“ – die er unter der Guillotine nicht mehr ausgeben konnte.