petry, weidel, schmidt – „operation mimi cri“

Hinterher wundert man sich darüber, dass man sich nicht schon früher gewundert hat. Gut, der luziden Ex-Pfarrersfrau Frauke Petry mit ihrem modernen Kurzhaarschnitt hat man die Nähe zum völkischen Geschwafel der Parteifreunde (und zu den Parteifreunden selbst) noch so leidlich abgenommen – auch wenn ihr sichtbares physisches Unbehagen auf Pressefotos oftmals schwer zu übersehen gewesen ist. Doch die testosteronprallen Parteibonzen schmückten sich nur zu gern mit der filigranen Ex-Unternehmerin und schöpften keinen Verdacht. 

Dieser leichte erste Erfolg muss das Frauentrio – wenn nicht noch mehr als die drei jetzt bekannt gewordenen Polit-Saboteurinnen hinter dem Manöver stecken – geradezu übermütig gemacht haben. Die AfD feministisch unterwandern, den Wahlerfolg abräumen – und das Ding dann zerlegen… aus einer Likörlaune wurde eine riskante, aber erfolgversprechende Aktion. In den geheimen Planungsmeetings im Hinterzimmer der Kreuzberger „Ankerklause“ muss es angesichts steigender Umfragewerte für Petry hoch hergegangen sein. Was würde man den „Nazi-Dumpfbacken“ (Petry) noch unterjubeln können? Die anarchistische Veranstalterin Sibylle Schmidt war schon ein kantigerer Brocken. Schmidt ist in Kreuzberg kein unbeschriebenes Blatt, soll seinerzeit bei der Flucht vor Nazischlägern einen Finger verloren und ihren ältesten Sohn „Lenin“ genannt haben. Würde die erfolgsblinde AfD im Popularitäts-Taumel eine so offensichtlich linksradikal konnotierte, schillernde Gestalt als Kandidatin schlucken?

Aus Sorge vor Enttarnung und Nazi-Racheakten soll für Schmidt schon ein zweimonatiger Kuraufenthalt im fernen Garmisch-Partenkirchen gebucht worden sein. Doch das Exil im Müttergenesungsheim wurde nicht nötig. Ganz im Gegenteil: Die Kreuzberger AfD jubelte über den vermeintlichen Coup, eine linke Ikone zum Überlaufen bewegt zu haben, und die fronterfahrene Gastronomin genoss, wird kolportiert, ihre Ausflüge in die Parteimeetings wie „eine Vorabend-Horrorfilmserie mit Laiendarstellern“.

Im Hinterzimmer der „Ankerklause“ müssen zu dieser Zeit schon Wetten darauf abgeschlossen worden sein, was man dem personalschwachen AfD-Männerzirkus noch an schrillen Frauen unterjubeln könnte. Alice Weidel – lesbisch, unarisch liiert, Wohnort Schweiz) vereinte gleich mehrere absolute No-Gos der Populisten – und wurde, erinnert sie sich, bei ersten Auftritten noch beäugt „wie eine Giraffe im Kindergarten“. Indes: Argwohn wurde aus diesem Staunen nicht, auch wenn die Unternehmensberaterin aus Gütersloh sich mit dem rollenbedingten rechten Schwadronieren  mitunter noch schwertut und ein Fernsehstudio lieber verlässt, als ihre mit den anderen Frauen des Trios unter schrillem Gelächter eingeübten Tiraden abzuliefern.

Schade, dass die Show nach der Enthüllung durch ein kleines amerikanisches Whistleblower-Projekt nun vorbei ist, das den WhatsApp-Acoount der Gruppe „Mimi Cri“ öffentlich machte und die AfD in einem Facebook-Post damit konfrontierte. Petry, Weidel, Schmidt setzen für den Moment noch auf kalt lächelndes Ignorieren, Alexander Gauland behauptet, von „keinen Enthüllungen über den Status von Fake News hinaus gehört“ zu haben: Aber der Shitstorm rollt an, und er wird – sieben Tage vor der Wahl – die kleine Partei das blaue Wunder lehren.

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