ohne befund

„Haben Sie sich eine Nummer ausgesucht?“, will die Frau in Weiß wissen, während metallisch kaltes Kontrastmittel in meine Venen läuft, den Arm hoch flutet, den Weg zum Herzen sucht.

„41“, sage ich, „R.E.M.“. Die scheint sie nicht zu kennen, sie ist vielleicht eher für Nummer 3, Andrea Berg, zu haben. Oder für Vivaldis Vier Jahreszeiten, passend auf die 4 gelegt. Ich bekomme die Kopfhörer übergestülpt, Schutzverschalung für Stirn und Kinn, und werde in die Röhre geschoben. So muss sich ein Raumfahrer in der engen Kapsel fühlen. „Erste Aufnahme, viereinhalb Minuten, bitte nicht schlucken“ sagt die Stewardess in Weiß über das Bordmikro. Wo sind die Notausgänge, über den Tragflächen? Meine Hand umfasst sanft die Gummiblase der Notklingel. Das Geknatter geht los, die Magnetstrahlung stroboskopiert rund um meinen Hals, ein Presslufthammer der Medizin meisselt sein Bild aus meinem schluckbehinderten Schlund. Die Rockmusik scheppert in mieser Qualität aus den Ohrmuscheln und hat es schwer gegen das Getöse des MRTs. Michael Stipe singt seinen Radio Song, Worte der Wahrheit:
„The world is collapsing / Around our ears
I turned up the radio / But I can’t hear it“

Ein Kommentar zu “ohne befund

  1. Kosten der befundlosen Maßnahme: 717 Euro. Gema-Gebühren stehen nicht gesondert auf der Rechnung; wurde mir da etwa ein illegaler Download zuteil? Ich hab’ SO einen Hals!

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