angriff vom himalaya

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Man kann ja vor allem Möglichen Angst haben, einer Invasion Außerirdischer, vor Grippeepidemien oder Weltuntergangsankündigungen in irgendwelchen Indianerkalendern. Die wirklichen Untergangsvorboten allerdings tragen Modefarbe, schmecken süß und sehen ziemlich klasse aus.

Nein, die Rede ist nicht von irgendeiner Supermodel-Show, sondern vom Drüsigen Springkraut, das von (schon immer verlockenden Reizen erlegenen) Engländern vor 150 Jahren aus dem Himalaya mitgebracht und in Europa erst kultiviert, dann als Wildpflanze heimisch wurde.
Jahrzehntelang war die zwei Meter hohe Pflanze nicht weiter auffällig; erst die Überdüngung unserer Weiden, der Gülle-Eintrag in Binnengewässer und die zunehmende feuchtwarme Witterung lassen das ansehnliche Mitbringsel zu einer gefährlichen Waffe werden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Wie mit einem Pistolenschuss feuert das Springkraut seine fünf Jahre keimfähigen 3000 Samen bis zu sieben Meter weit. In Gegenden wie dem Sauerland dominieren die rosa Hänge, Waldlichtungen und Uferstreifen schon das Landschaftsbild – und die einheimischen Pflanzen kümmern. Denn das Springkraut überragt alles, was vorher da war, und liefert zum Beispiel den nicht sehr wählerischen Hummeln weit mehr Nektar als jede andere Wirtspflanze – die deshalb kurzerhand nicht mehr angeflogen und bestäubt werden.
Was man da tun kann? Mähen, ausreißen, dranbleiben. Oder, viel besser: Endlich weniger Schweinescheiße auf den Acker kippen – denn dann ist das ökologische Gleichgewicht schnell wieder auf den Beinen, und das Springkraut bleibt, was es sein sollte: Ein bezaubernder, aber seltener Exot.