feuerteufel

Mir würde es verdammt genau so gehen, und deshalb bin ich nie dabei gewesen. Ich würde mich zu Tode langweilen bei all den öden Vereinsabenden – nicht sofort, aber doch nach ’ner Weile; am Anfang würden sie ja noch ihre blöden Witze mit mir machen, Schlauchmessen, Weitspritzen, was es so an bescheuerten Mutproben gibt bei den Freiwilligen – und dann, wenn sie begriffen hätten, dass ich auch nur so ein Depp bin wie sie selbst, würden sie mich in Ruhe lassen und sich den nächsten greifen, und ich würde mitsaufen und mitschikanieren und mitdicketun mit Heldentaten, die ich vollbringen könnte, wenn es nur einmal richtig brennen würde. 

Und dann würde aus dem nassen Frühling ein nasser Sommer werden, und es würde nicht brennen, monatelang nicht. Wir würden über die Sommerfeste torkeln, immer als Trupp auftreten, um Mitternacht, und würden den Spackos richtig aufs Maul geben und weg sein, eh die Bullen kämen, und keiner von uns würde die Uniform anhaben dabei. Weil wir ja genau wüssten, dass uns das um Kopf und Kragen bringen würde. Wir würden gröhlend abhauen und schreien und kotzen, aber brennen würde es noch immer nicht. Ab und zu würde einer Sonntag früh um acht in den Fahrzeugschuppen schleichen und die Sirene anmachen, nur so zum Spaß, und wir würden mit großem Radau ausrücken und hinterm Dorf am Waldrand am Steinbruch drei Flaschen Schnaps saufen. Und wenn einer dann im Suff sagen würde, am liebsten würde ich den ganzen Scheiß hier anstecken, den ganzen Wald, wisst Ihr das Ihr Ärsche, dann würde der aufs Maul kriegen mit dem Schlauchende, das unterm Beifahrersitz liegt, weil das jeder denkt und keiner sagt – und weil jeder weiß dass das jeder denkt und man deshalb besser das Maul hält, damit sie nicht hinterher einen haben, auf den sie mit dem Finger zeigen können. Wenn der Scheißwald wirklich brennt.

Und dann wäre ausgerechnet ich das, ohne dass ich hinterher noch wissen würde warum. Weils eben doch nicht nur Aberglauben ist, dass sie im Dorf vom Feuerteufel sprechen, wenns wieder so weit ist. Vielleicht ist es eben tatsächlich der Teufel, der einen reitet, der mich reiten würde an so einem Nieselregennachmittag im August. Klar würde ich nicht so bescheuert sein, mir das Benzin über die Hose zu spritzen, und die Gummistiefel würde ich dalassen im Wald, und ich würde alles mit dem Sprit vollkippen und erstmal langsam weggehen und warten, ob nicht doch irgend ein Wichser mich gesehen hat, wie ich die Turnschuhe anziehe mitten im Wald – und dann würde ich wiederkommen mit dem Moped und langsam ranrollen und im Vorbeifahren den brennenden Lappen in die Spritpfütze schmeißen. Querfeldein fahren, um auf dem feuchten Weg keine Spuren zu hinterlassen, und dann Gas geben, Gas, um als erster am Schlauchturm zu sein, zwei Minuten nachdem der Alarm losging, und ganz vorne zu sitzen auf der alten roten Kiste, mit der wir aus dem Dorf rausscheppern würden, um den Scheißwald zu löschen, wir Helden. Keiner würde wissen wollen, wer’s war, aber alle hätten die Freude im Gesicht, die Flammen und den Rauch.

(Preview auf den westhavelländischen Gemeinschaftsblog PLATTENWEG.DE. Coming soon!)