ein kinderlachen

Während irgendwo im Südpazifik eine Plastikbeutelwolke im Wasser schwimmt, die so groß ist wie Skandinavien, drücken die Berliner Gutmenschen von RTL Radio, PIN AG und Kaiser’s in einer konzertierten Aktion anderthalb Millionen Plastebeutel in die Hausbriefkästen.

Der kunterbunt bedruckte Sondermüll aus Recyclingkunststoff („Farbabweichungen sind zugunsten unserer Umwelt technisch bedingt“) sammelt kaputte Handys ein. „Gemeinsam für ein Kinderlachen!“ ist die Parole, und wer nicht sofort versteht, was an einem kaputten Handy zum Lachen sein soll, wird über den komplexen Tauschhandel aufgeklärt: Für jedes kaputte Handy gehen 50 Cent an die „Roten Nasen“, Krankenhausclowns, die kranken Kindern ein, na bitte, Lachen entlocken sollen. Für intakte Handys gibt es sogar 3 Euro auf die Nase. Die bunten Tüten mit den Schrotthandys müssen einfach nur, wo sonst, in die grünen Briefkästen der PIN AG in jedem Kaiser’s Supermarkt geworfen werden.

Richtig neu ist natürlich nichts von alledem. Handyrecycling für Nabu oder andere Öko-NGOs hat auch die Telekom schon gemacht. Und dass „Recycling“ vor allem das Rausfrickeln der in jedem Handy enthaltenen Edelmetalle bedeutet (und der Rest wohl eher thermisch verwertet sprich: verbrannt wird), ist auch ein alter Hut. Trotzdem ist der unästhetische Kotzbeutel ein beeindruckendes Beispiel einer Win-Win-Situation. Kaisers, pardon: Kaiser’s werden die wohlmeinenden Handyabgeber in die Supermärkte gespült. Die PIN AG macht endlich mal wieder auf ihre grünen Briefkästen und sich selbst aufmerksam. RTL Radio bedröhnt die Welt mit Radiospots für den guten Zweck, und eine Behindertenwerkstatt in Neukölln darf die Handys auseinandernehmen. Die Roten Nasen schwärmen aus und suchen nach Kindern, die noch immer nicht gelacht haben.

Dass die intakten Handys mehr als drei Euros bringen und das Edelmetall viel mehr als 50 Cent, – dass jemand bei allem Helfenwollen auch noch gutes Geld verdient mit dem Telefonschrott – spielt bei soviel gemeinsamem Nutzen für ein Kinderlachen keine Rolle. Und 1.460.000 unbenutzte Tüten – ein gutes Dutzend Fußballfelder mehr oder weniger: Machen die die Plastikwolke im Südpazifik so viel größer? Lachhaft.