ein guter mann

Wie hieß das noch im Kinderlied? „Nik’laus ist ein guter Mann, dem man nicht g’nug danken kann“ …

Die Vorweihnachtszeit war früher anders. Heute schnell noch dem letzten Heranwachsenden ein bisschen Süßkram in die feuchten Turnschuhe geschüttelt, dann rein in den Mantel und raus. Wie ist das Wetter? Ein Blick aus dem Küchenfenster zeigt: Es schneit. Und gegenüber auf dem Dach steht ein Mann mit Präzisionsgewehr, ein Scharfschütze. Überhaupt ist die ganze Straße zugestellt mit Mannschaftswagen von BKA, Mossad, Polizeikräften aller Art und Herkunft, und vorn an der Corneliusbrücke stehen Schützenpanzer in Positur. In einem Zelt werden die Büroangestellten gefilzt, die den Hochsicherheitsbereich vorm Hotel Interconti betreten wollen.

Flappflappflapp, ein Polizeihubschrauber püriert die Schneeflocken. Israelischer Staatsbesuch; als Nachbar des bombensicheren Innenstadthotels ist man die Akribie gewöhnt, mit der auch diesmal wieder Gullydeckel verplombt werden, Schrottfahrräder abgeknipst und Berufstätige hinter Absperrzäunen der Witterung ausgesetzt. 2.400 Uniformierte sind im Einsatz, der Innenstadtverkehr: längst zusammengebrochen. Ich wickle noch einen Schal um den Hals, krame nach Handschuhen.

Der Bewaffnete auf dem Dach gegenüber – einer in einer langen Postenreihe – muss gute Handschuhe haben; stoisch steht er da im Schneefall mit seiner unpassend schwarzen Arbeitskleidung und Gesichtsmaske. Er wartet. Ein guter Mann.