der kopfschmerz des führers

Heute hatte Hitler einen furchtbaren Brummschädel. „Biergarten-Bewegung” hatten die Lumpen von der Presse sein faschistisches Anliegen mehr als einmal genannt, und er hatte – zähneknirschend, jawohl, zähneknirschend! – das „Biergarten” hingenommen, solange noch von einer „Bewegung” die Rede war. Und nicht von einem krakeelenden, herumpöbelnden Haufen von Saufkumpanen, die mit Seideln warfen und mehr als einmal auch untereinander handgreiflich geworden waren. Gestern abend war es wieder besonders schlimm gewesen; die Weihnachtsfeier der Münchener NSDAP war komplett, k-o-m-p-l-e-t-t- aus dem Ruder gelaufen, die Männer hatten gesoffen wie die Schweine. Obersturmtruppführer Bauer war noch vor Mitternacht wie ein Zementsack von der Biergartenbank in den frischen Schnee gekippt und weder durch Ohrfeigen noch durch in schneidigem Ton ausgeführte Führerkommandos wieder auf die Beine zu bringen gewesen. Den Kerl nachhause zu tragen, war unmöglich gewesen; dazu waren die restlichen Parteigenossen selbst zu angeschlagen gewesen. Schließlich hatte dieser junge Architekturstudent, dieser Speer, seinen Mantel über den schlafenden Obersturmtruppführer gelegt, und Hitler zerbrach sich den schmerzenden Kopf, was er diesem gestriegelten Lackaffen dafür versprochen hatte. Speer, der Karrierist, würde es sicher noch sehr genau wissen und zu gegebener Zeit darauf zurückkommen. Hitler schnaubte wütend. Hoffentlich war es nichts Gravierendes.

Der Führer trat vor den Badezimmerspiegel und massierte sich die Nasenwurzel. Die in dunklen Höhlen liegenden Augen waren rotgerändert, die Haut blass. Adolf Hitler zog seinem Spiegelbild eine furchtbare Grimasse. Immerhin nahm man ihm in diesem Zustand das asketische, fleisch- und alkoholferne Image besonders gut ab, und wenn er an ein schäumendes Glas Bier dachte, hätte er wirklich gleich wieder kotzen können.

Obendrein war Weihnachten – ein Fest, dass er unbedingt auf seine persönliche Abschaffens-Liste schreiben musste. Josef Bauer fiel ihm wieder ein; wenn er letzte Nacht nicht erfroren war, der besoffene Lump, dann musste er für den auch noch ein Weihnachtsgeschenk auftreiben. Hatte er ihm den „Kampf” letztes Jahr schon geschenkt? Er wusste es beim besten Willen nicht mehr, aber das Buch lag wie Blei den Buchhandlungen (gleich auf die Abschaffens-Liste, die Buchhandlungen), und unterm Bett stapelten sich die Belegexemplare. Er würde Bauer eins in die Hand drücken, und wenn der Mann schon eins hatte, dann sollte er besser das Maul halten, … dann konnte er es mal weit bringen in der – Hitler spuckte in hohem Bogen in das Blechwaschbecken an der gekalkten Wand – in der Biergarten-Bewegung.

 

Los Angeles (dpa 28.2.2014) – Zwei von Adolf Hitler signierte Bände seiner Propagandaschrift «Mein Kampf» sind in den USA für 64 850 Dollar versteigert worden. Der Nazi-Diktator hatte die beiden Bücher Josef Bauer, einem der ersten Mitglieder der NSDAP, offenbar 1925 und 1926 zu Weihnachten geschenkt. Der Höchstbietende blieb nach Angaben des Auktionshauses in Los Angeles anonym. Bei der fragwürdigen Auktion wurde ebenfalls ein Mantel des Hitler-Architekten und NS-Rüstungsministers Albert Speer versteigert.