petry, weidel, schmidt – „operation mimi cri“

Hinterher wundert man sich darüber, dass man sich nicht schon früher gewundert hat. Gut, der luziden Ex-Pfarrersfrau Frauke Petry mit ihrem modernen Kurzhaarschnitt hat man die Nähe zum völkischen Geschwafel der Parteifreunde (und zu den Parteifreunden selbst) noch so leidlich abgenommen – auch wenn ihr sichtbares physisches Unbehagen auf Pressefotos oftmals schwer zu übersehen gewesen Weiterlesen

der dillenburger kassenwagen

(Eine Kiersper Räuberpistole aus dem Jahr 1809)     Im Sommer hatten die Halveraner uns noch beneidet, uns Kiersper. Weil wir hier jeden Baum kannten, jeden Hohlweg, der einen schnellen Kerl ungesehen von da nach dort brachte. Jetzt, im schlimmsten Winter seit zwanzig Jahren, half das auch nicht mehr weiter. Weiterlesen

’ne tasse mit bob dylan

Heute mittag ging Bob Dylan vorbei. Ich meine: Womöglich war es nur jemand, der so aussah wie Bob Dylan. Gut trainierter grimmiger Blick, etwas ungepflegte, gelockte lange Haare, Fusselbart unterm Kinn. Hakennase. Er hatte diese kleinen, wilden Augen, die listig, boshaft oder voll Hass glitzern können: Deshalb konnte es eigentlich nur Dylan selbst sein, der da Weiterlesen

watchtower

Im Herbst 1970 war der Sand nass. Nass, kalt und klebrig – wie zusammengekittet mit einem weißlichen Schmier aus Mövenschiss, Quallenglibber und den zermahlenen Muscheln, mit deren weißen Girlanden die Ostsee großzügig den Strand signierte. Weiterlesen

ich, aber rückwärts

Die Cracks waren immer da, aber sie wechselten. Verwegene Einzelkämpfer, die schneidige Kurven um die Mädels herumfuhren – dünne Spakse, kurzärmelig in der Kälte, grimmig lächelnd. Weiterlesen

kick off meeting

Ich rase auf dem Rad durch den Park wie ein Hund mit brennendem Schwanz, geduckt, atemlos, ohne Blicke auf das Ringsum. Hasen spritzen links und rechts beiseite, auf den langen Bänken liegen Betrunkene und Liebespaare, die mein Radlicht streift. Es ist spät geworden, das wird es immer. Termine, Meetings, nichts gegessen, nichts getrunken außer viel Weiterlesen

kaffee in ägina

Ich kann Bogenschießen, ich kann einen dicken Zwirnfaden in ein schmales Nadelöhr fädeln: Aber eine übervolle Tasse Kaffee auf der Untertasse ans Bett balancieren, ohne ihn überschwappen zu lassen – das kann ich nicht. Weiterlesen

Ein Job wie alle

Ich weiß auch nicht, was mich damals geritten hat, bei den Vorbereitungs-Geschwadern anzuheuern. Ja ja, die Kohle, die extralangen Urlaube (ehrlich, wieviel Urlaub hat man sich verdient nach einem Siebzehn-Jahre-Flug?), die Abenteuerlust. Das ist alles lange her, lange vorbei, und was das Abenteuer angeht: Das sackt der Captain immer noch am liebsten selber ein. Weiterlesen