candes-saint-martin

Wahrhaftig eine Kerze aufgestellt in der Kapelle von Sankt Martin, der hier – hier an diesem Ort – vor 1616 Jahren starb.

Als der Leichnam des Martin von Tours (der nach 25 Militärdienstjahren erst mit 40 vom miles caesaris – dem Soldaten Cäsars – zum miles christi geworden war und mit 81 auf eine lange Zeit als Bischof von Tours zurücksehen konnte), loireaufwärts geschifft wurde zwischen dem 8. und 11. November 397 – fünfzig Kilometer Flusslauf, den wir über Chinon und die Viennes umradelt haben –, blühten am Ufer die Obstbäume weiß. Martinssommer wird diese Baumblüte im November seither genannt.

Jetzt, Mitte Juli, gab es petrichoren Sommerregen, und wir waren längst nass bis auf die Knochen, als wir mit anderen Radlern Schutz unter den Schirmen des Dorfgasthauses im 220-Einwohner-Ort Candes-St-Martin fanden. Einen Café double, einen Thé de Menthe: Und soviel schweres Wechselgeld in der nass an den Beinen klebenden Hose, dass ich froh war, die Münzen drinnen Martin, dem Schutzheiligen der Reisenden, in die Spendenkiste werfen zu können. „Chandelle 1 €” stand auf dem Pappdeckel, also zündete ich das kleine weiße Licht im Becherchen an für das Geld und bestaunte mit klammen Klamotten unverhofft berührt das um 1180 begonnene Gotteshaus – eine bauchige, hohe, eine heimatliche alte Kirche.