angst (ava celik)

20120923-224421.jpg

Hinten zum Wasser raus liegen die coolen Lofts dieser Stadt; links glitzert Berlin hinter der Oberbaumbrücke, und in den viel zu geschmackvollen Büros dösen digitale Sklaven über klammen Claims.

Vorne, als Schutzwall zwischen den gestaffelten Nobelhöfen und der ausgelaugten Schlesischen Straße, steht ein ganz normales Vorderhaus. Im ersten Stock sind die Möbel irgendwo im Nebenraum versteckt; an den Wänden hängen Fotos der Fotografin und Schauspielerin Ava Celik. ANGST ist das Motto dieses One-Night-Hangs. Angst vor Normalität scheint nicht dazu zu gehören: trotzdem ahnt man im Bibbern der nervösen Braut oder dem irren Grinsen des Seifenblasenpistoleros Abgründe, die sich in den reservierten Shots allerdings nie vollends auftun. Es gibt Wasser, Wein, einen Balkon Richtung Kreuzberg. Man spricht italienisch. Schließlich landen wir auf dem Sofa im Videoraum. Eine hypnotische Schöne stammelt Wortfragmente ins weiße Rauschen; Spinnen killen Fliegen, es rumort ungemütlich aus den Boxen. Die Videofrau sendet ihre dringenden Botschaften ins Nichts, die Leinwand flackert, und oben an der Decke kämpfen Jugendstilschnörkel ums nackte Überleben. Der Film läuft in der Endlosschliefe: Das genau ist das Furchtbare an der Angst; dass sie kein Ende haben könnte.