ab neun andersrum

Während alle über die Rückkehr von Westberlin schwadronieren (und damit vermutlich interiöre Peinlichkeiten wie das „Romanische Café“ im Waldorf-Astoria meinen), stemmt sich das Horst-Dohm-Eisstadion in Wilmersdorf mit schlaghosiger Lässigkeit gegen jede Moderne.
Auf der 400-Meter-Bahn ist alles so, wie es schon immer war. „Jetzt mal vorsichtig an der Ringüberfahrt, der Kollege überquert die Bahn“; „Um neun Uhr ändern wir wie immer unsere Fahrrichtung und fahren jetzt alle gegen den Uhrzeigersinn“; „Der Sport in der Ringmitte macht jetzt bitte Schluss und geht unten durch den Tunnel zu den Umkleiden“: Ja, das sind die drei Gesetze, nach denen hier alles funktioniert.
Für Dreifuffzich darf man bei epochaler Discomucke die Runden drehen; in der Südostkurve ist der Pommesgestank am schlimmsten, und manchmal prügeln sich die Teeniegangs zwischen den Blechspinden. Aber oft ist es erfreulich leer, und die Jungs vom Schlittschuhverleih schauen sehnsüchtig übern Tresen und träumen von Eisprinzessinnen oder schlicht vom Feierabend.

Draußen fällt leichter Nieselregen, das Eis wird weich und verzeiht Fehler, und wir verschieben das Rückwärtsfahren wie immer wehmütig auf nächstes Jahr.